Angesichts eines drohenden Budgetdefizits von 2,65 Milliarden Euro stehen Einsparungen im Wiener Stadtbudget derzeit im Zentrum der politischen Debatte. Gleichzeitig wächst Wien weiter – und mit dem Wachstum steigen die Anforderungen an leistbaren Wohnraum, klimaresiliente Quartiere und qualitätsvolle Stadtentwicklung. Eine aktuelle Expert*innenrunde zeigt, warum Sparen allein keine Lösung ist und weshalb Investitionen in Grünraum, Baukultur und Infrastruktur zentrale Zukunftsfragen darstellen.

Sparkurs mit sozialen Folgen

Während die Stadtregierung betont, sozial verträglich sparen zu wollen und einzelne Projekte weiterhin zu finanzieren, zeigt sich in der Liste der verschobenen Vorhaben, wie tief der Sparkurs greift. Abgesagte oder aufgeschobene Projekte wie das Laaerbergbad, das Seestadt-Bad, zahlreiche Verkehrs- und Oberflächengestaltungen, Brückenneubauten, Amtshaussanierungen sowie Teile des U-Bahn-Ausbaus stehen exemplarisch für eine spürbare Reduktion öffentlicher Investitionen. Damit besteht die Gefahr, dass durch verzögerte Infrastrukturprojekte und unsichere Bildungsinvestitionen vor allem jene Bevölkerungsgruppen getroffen werden, die ohnehin über weniger Ressourcen verfügen. Gleichzeitig gehen durch verschobene Bauvorhaben wichtige Wachstums- und Beschäftigungsimpulse verloren.

Ein besonders klares Statement dazu kommt von Karl Grimm, Landschaftsarchitekt, Präsidiumsmitglied der Kammer der Ziviltechniker:innen für Wien, Niederösterreich und Burgenland sowie Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Landschaftsarchitektur (ÖGLA):

„derzeit wird landesweit gespart – und das wirklich Problematische daran ist: Es geschieht ohne erkennbare konsistente wirtschaftspolitische Strategie. Diese Vollbremsung bricht die Erneuerungsbestrebungen der letzten Jahre – insbesondere auch hinsichtlich der dringend erforderlichen Klimawandelanpassung – abrupt ab.“

Grimm weist darauf hin, dass selbst kleinere, hochwirksame Maßnahmen – etwa aus dem Programm „lebenswerte Klimamusterstadt“ – ersatzlos gestrichen wurden. Gerade diese Projekte hätten jedoch nicht nur ökologische, sondern auch klare wirtschaftliche Effekte, etwa durch regionale Wertschöpfung und die Sicherung von Arbeitsplätzen.

Wirtschaftliche Bedeutung öffentlicher Investitionen

Wirtschaftsexpert:innen betonen, dass öffentliche Bauinvestitionen starke gesamtwirtschaftliche Effekte entfalten. Laut dem Economica Institut für Wirtschaftsforschung fließen bei einem beispielhaften Hochbauprojekt mit einem Volumen von 30 Mio. Euro rund 26,7 Mio. Euro in österreichische Unternehmen. Gleichzeitig werden über 250 Arbeitsplätze gesichert, und ein erheblicher Teil der Wertschöpfung bleibt in Wien. Zusätzlich fließen Millionenbeträge über Steuern und Abgaben wieder an die öffentliche Hand zurück.

Gerade vor diesem Hintergrund erscheint eine undifferenzierte Kürzung öffentlicher Investitionen kritisch. Zwar schränkt das aktuell laufende EU-Defizitverfahren den finanziellen Spielraum ein – Österreich muss seine Abweichung von den Maastricht-Referenzwerten reduzieren –, doch ein pauschaler Sparkurs greift zu kurz.

Der budgetäre Druck ist real – er darf jedoch nicht zu einem umfassenden Investitionsstopp führen. Denn gerade in Phasen finanzieller Anspannung entscheidet sich, ob Stadtentwicklung kurzfristig verwaltet oder langfristig gestaltet wird. Expert:innen wie Karl Grimm betonen daher, dass Investitionen gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit ein wichtiges stabilisierendes Element sein können – ökonomisch wie sozial.

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